Mein Freund, der Hummer

Heiligabend alleine zu Hause, da wollte ich mir mal was gutes gönnen und habe mir beim Aldi für 5 € einen im Eisblock eingefrorenen 250 gr.-Hummer gekauft, eine Premiere für mich. Ich war anscheinend etwas naiv und stellte mir vor, das Krustentierchen gemütlich in der Badewanne verspeisen zu können. Doch ein Telefonat mit meinem hummererfahrenen Bruder holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

Mir war nicht so wirklich klar gewesen, dass die Zubereitung ganz schön körperliche Arbeit ist: Drehen, Brechen, Knacken und mit den Inhalten eines Werkzeugkoffers bearbeiten, so sähe die Realität eines Hummer-Essens wohl aus. Zudem eine ziemlich “suppige” Geschichte, da der Hummer beim Knacken Flüssigkeit verliert (die ich nicht in meinem Badewasser haben möchte). Und das eine oder andere Gedärm muss auch noch raus. Ein anderer wichtiger Faktor zum großen Genuß sei zudem die Schnelligkeit, da das Fleisch sonst kalt wird und nur noch halb so gut schmeckt. Also beschloss ich, erst den Hummer zu verspeisen und anschließend ein Bad zu nehmen.

  Mein Freund, der Hummer          Mein Feind, der Hummer

Das Erhitzen des kleinen, vorgekochten Kollegens war der einfachste Part: Wasser zum Kochen bringen, eine Prise Salz dazu und mit lautem Juhu das Edeltier hinterher (ich vergab übrigens die Haltungsnote 9,0, da er sich mit einer Schere am Topfrand verhakte und dadurch mit einem halben Salto in den brodelnden Fluten landete).

Ein paar Minuten später ging`s dann mit der Zubereitung los: Hammer, Zange und ein scharfes Messer lagen bereit, ebenso mehrere Teller für den Abfall und zur Sicherheit hatte ich mir eine Küchenschürze angezogen. Frei von jeglichen ethischen Hemmungen riss ich Beine aus, drehte Scheren und Schwanz ab und knackte den Bauchpanzer. Das hat soweit auch alles gut geklappt, leider war ich etwas zu langsam, da das Fleisch nach der Gewalt-Orgie bereits kalt war. Und an das Fleisch der Beine kam ich auch nicht dran. Lecker war`s trotzdem.

                                                 Manche Menschen behaupten, der Weihnachtsmann sei mit Schlitten und Rentieren unterwegs. Das ist eine Lüge.

Satt war ich danach aber nicht. Dafür hätte ich ungefähr 10 Hummer essen müssen. Von den 250 gr. waren ja auch nur ca. 40 gr. essbar. Als Nachtisch habe ich mir eine Pizza in den Ofen geschoben. Die habe ich dann in der Badewanne gegessen. Und zwar so richtig schön gemütlich…

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