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Die Arroganz des Mister Corn
Der Mais ist momentan der ungeschlagene König im Gemüsebeet. Er hat ein gesundes Grün, strotzt vor Kraft und ist innerhalb von 2 Monaten nach Aussaat ca. 80 cm gewachsen. Gegenüber den kleinwüchsigen Chili- und Paprikapflanzen ist er eine herausragende Persönlichkeit. Majestätisch schwingen die Blätter in der sanften Mittagsbriese und erzeugen ein weiches Rascheln. Aber es ist erst die Ruhe vor dem Sturm. Sämtliche Kraft wird gebündelt und in die Kolben-Produktion gesteckt. Die Pflanze ist sich ihrer Stärken bewußt. Hochmut machte sich gegenüber den anderen Gemüse-Kollegen breit. Groß gegen klein sozugagen. Verschärfend kam hinzu, dass dem Konflikt aufgrund naturbedingt fehlender Beine nicht aus dem Weg gegangen werden konnte. Der Bio-Psychologe und Pflanzen-Flüsterer Dr. Green nahm sich der Sache an.
Durch artspezifische Gruppentherapie konnte das Selbstwertgefühl der kleineren Mitbewohner stabilisiert werden. Ein Schwerpunkt-Thema in den therapeutisch geleiteteten Sitzungen war die These, dass es nicht nur auf die Größe ankommt. Das Gefühl, dass ihre goldenen Zeiten noch bevorstehen, gibt Kraft und stärkt das Ego. Der Mais zeigte sich selbstreflektiert und sah ein, dass Hochnäsigkeit fehl am Platz ist und das Zusammenleben in der Gemüse-Kommune nur unnötig erschwert. Es herrscht wieder Frieden im Norden Edens. Nur das sanfte Rascheln des Mais ist zu hören.